Benefizveranstaltung der Arolser Lions mit Generalmajor Andreas Henne. Von links: Lions-Präsident Franz Peine mit Ehefrau Anja, Generalmajor Henne mit Isabella Gräfin von Kageneck, Lions-Sekretär Guillaume Gazeau mit Ehefrau Caroline. © Elmar Schulten
Bad Arolsen – „Deutschland ist nicht allein auf der Welt, wenn es um seine Verteidigung gegen äußere Bedrohungen geht.“ Mit dieser Feststellung beruhigte Generalmajor Andreas Henne die Gäste bei der Benefizveranstaltung „Arolser Tafel“ des Lions-Clubs Bad Arolsen in der Fürstlichen Reitbahn. Er vertraue nach wie vor auf das Beistandsversprechen der Amerikaner im Rahmen des Nato-Vertrages.
Das ändere aber nichts daran, dass Deutschland und mit ihm seine europäischen Nachbarn in den vergangenen Jahren zu oft auf die Schlummertaste (Snooze) gedrückt hätten. Es sei höchste Zeit, dass man in Deutschland aufwache und mehr für die eigene Verteidigung aufbringe. Das habe die neue Bundesregierung angestoßen, aber das benötige seine Zeit bis zum Erreichen der Wirksamkeit. Nicht ohne Grund habe Verteidigungsminister Boris Pistorius gefordert, Deutschland müsse wieder kriegsfähig werden. Das sei ein Weckruf gewesen.
Russland, das nicht erst seit Beginn des Angriffskrieges auf die Ukraine die größte Bedrohung für den Frieden in Europa darstelle, verbrauche gerade in einem erbarmungslosen Abnutzungskrieg seine alten Militärbestände aus Zeiten der Sowjetunion. Gleichzeitig laufe die Produktion neuer, moderner Rüstungsgüter auf Hochtouren. Diese neuen Waffen wanderten ins Depot, um das Land für den nächsten Krieg gegen Europa zu rüsten.
Blaulichtorganisation Teil der Landesverteidigung
Gerade an der Ostflanke der Nato, in den baltischen Staaten und in Finnland könne man beobachten, wie die Bedrohung wachse. Westeuropa habe nicht mehr viel Zeit, um gegen diese Bedrohung ein eigenes Abschreckungspotential aufzubauen.
Ebenso wichtig wie die Verteidigungs- und Kriegsbereitschaft nach außen sei die Resilienz nach innen. Deshalb sei die neue Heimatschutzdivision aufgestellt worden, deren Aufwuchs er gerade organisiere, so Generalmajor Henne. Dazu seien alle Blaulichtorganisationen vom DRK über das Technische Hilfswerk bis zu Feuerwehr und Polizei nötig, alle zivilen Kräfte.
Vertrauen auf Beistandsgarantie
Die Heimatschutzdivision mit ihren Brigaden stehe bereit, sensible Infrastruktur wie den Edersee zu schützen. Auf Nachfrage bestätigte der General, dass aktuell nicht viel mehr als ein paar Maschinengewehre zur Verfügung stünden, um Drohnen vom Himmel zu holen, aber eine neue, moderne Luftabwehr sei im Aufbau. Man sei dabei, aus den Erfahrungen des Ukraine-Krieges zu lernen.
Zu Beginn seines Vortrags hatte General Henne den Bad Arolser Lions-Präsidenten Franz Peine gefragt, wie sehr er denn die Zuhörer erschrecken solle. Man habe sich auf ein Mittelmaß geeinigt, und daher beschloss der General seinen Vortrag mit zuversichtlichen Worten zur Beistandsgarantie der Nato. Zweifel bleiben angesichts der erratischen Äußerungen von US-Präsident Donald Trump.
Tor zur Hölle geöffnet
General Henne ging auch auf die veränderte Weltlage ein. Die sogenannten CRINK-Staaten China, Russland, Iran und Nordkorea stellten gemeinsam eine Gefahr für den Weltfrieden dar. Dagegen müsse sich die westliche Wertegemeinschaft besser rüsten.
Die terroristische Hamas habe am 7. Oktober 2023 mit dem blutigen Angriff auf das Musikfestival in Israel quasi das Tor zur Hölle geöffnet. Der am Vorabend der Benefizveranstaltung begonnene Angriff Israels und der USA auf iranische Militäreinrichtungen solle dazu beitragen, diese Gefahr wieder einzudämmen, kommentierte der General die aktuellen Ereignisse im Nahen Osten.
Erlös für ökumenischen Tafelladen
Der Erlös der 18. Bad Arolser Lions-Tafel ist wieder für die Unterstützung des ökumenischen Tafelladens bestimmt, der in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen begeht.
Den Musikrahmen des Abends gestalteten der Chor der Christian-Rauch-Schule unter Leitung von Steffen Hause und das große Orchester unter Leitung von Jonas Imhof. Die CRS-Musiker werden im Gegenzug bei ihrer geplanten Südafrika-Tournee vom Lions-Club unterstützt.
Lions-Tafel 2026 mit Generalmajor Andreas Henne. Den musikalischen Rahmen gestalteten der Chor und das Orchester der Christian-Rauch-Schule. © Elmar Schulten
Zur Person: General Henne
Generalmajor Andreas Henne wurde 1966 in Recklinghausen geboren, hat einige Jahre seiner Kindheit in Mengeringhausen gelebt, weil sein Vater hier Soldat war. Während seiner eigenen militärischen Karriere war Henne in den 1990er Jahren Zugführer und später Kompaniechef der 3. und 6. Kompanie des Panzerbataillons 64 in Wolfhagen. Er sammelte Erfahrungen in verschiedenen Führungsstäben der Bundeswehr und im Verteidigungsministerium, bevor ihm das Kommando der neu aufgestellten Heimatschutzdivision übertragen wurde.
